Justizminister Carlo Nordio wurde 1947 in Treviso, Venetien, geboren. 1977 trat Carlo Nordio in den Justizdienst und leitete erfolgreich in Venetien die Ermittlungen gegen die linke Terrororganisation der Roten Brigaden. In den 1990ger Jahren nahm er an den Ermittlungen im Polit-Skandal ‚Mani Puliti‘ teil und brachte den christdemokratischen Minister Carlo Bernini und den sozialistischen Minister Gianni De Michelis vor Gericht.
2014 leitete Nordio die Ermittlungen im Fall ‚Mose‘. Das Projekt ‚Mose‘ soll die Lagunenstadt Venedig vor Hochwasser schützen. Bei der Ralisierung sind wohl mehr als eine Milliarde (!) Euro an Schmiergeldern geflossen und es wurden europäische Fördermittel veruntreut. Verwickelt waren unter anderem der damalige Bürgermeister von Venedig Giorgio Orsoni (später freigesprochen) und der ehemalige Präsident der Region Venetien Giancarlo Galan (wegen Korruption verurteilt).
Bei den Wahlen zum Staatspräsidenten 2022 wurde Carlo Nordio von den Fratelli d’Italie von Giorgia Meloni vorgeschlagen. Ebenfalls 2022 wurde er erstmals ins Abgeordnetenhaus gewählt.
Nordio ist erklärter Atlantiker, Liberaler und Pro-Europäer. Seine Nominierung zum Justizminister erfolgte auf ausdrücklichen Wunsch von Giorgia Meloni, die sich damit gegen Silvio Berlusconi aussprach, der lieber seine Getreue, die jetzige Ministerin für Reformen, Maria Elisabetta Alberti Casellati, als Justizministerin gesehen hätte.
In Italien lassen Richter häufiger als in anderen EU-Staaten Verdächtige abhören und so manches mal finden die Protokolle ihren Weg in die Medien. Für Betroffene, die unschuldig sind, kann das durchaus üble Konsequenzen haben. Andererseits zeigen an die Öffentlichkeit gelangte Film- und Abhöraktionen wie etwa im Fall von ‚mafia capitale‘ – dem Korruptionssumpf in der Hauptstadt Rom – den Bürgern, wie skrupellos und arrogant Mafia und Korrupte zusammenarbeiten. Justizminister Carlo Nordio hat sich vorgenommen, die bisherige Abhörpraxis stark einzuschränken.
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