Neapel. Die Erdbebenserie in den Phlegräischen Feldern setzt sich fort, und die italienischen Behörden bereiten sich auf eine mögliche Massenevakuierung vor. In den letzten Wochen haben seismische Aktivitäten in der Region westlich von Neapel erheblich zugenommen, zuletzt mit einem Beben der Stärke 4,4 am 13. März 2025. Wissenschaftler warnen, dass die Situation ernster ist als je zuvor.
Was passiert aktuell in den Phlegräischen Feldern?
Seit Monaten häufen sich Erdstöße in der Region, doch die jüngste Erdbebenserie hat eine neue Dimension erreicht. Allein in den letzten 48 Stunden wurden über 150 Beben registriert, einige davon mit einer Stärke von über 3,5, was bei der Bevölkerung Panik auslöste. Die Stadtteile Pozzuoli, Bacoli und Bagnoli sind besonders betroffen. An zahlreichen Gebäuden wurden Risse festgestellt, und einige Straßen sind aufgrund von Bodenverwerfungen gesperrt worden.
Warum sind die Phlegräischen Felder so gefährlich?
Die Phlegräischen Felder (Campi Flegrei) sind ein Supervulkan, eine gigantische Caldera mit einem Durchmesser von über 15 Kilometern. Anders als der Vesuv, ein klassischer Vulkankegel, könnte ein Ausbruch dieses Systems katastrophale Folgen haben. Die letzte große Eruption fand 1538 statt, als sich der Monte Nuovo formte. Seitdem hat sich das Gebiet kontinuierlich gehoben – ein Zeichen, dass sich Magma in der Tiefe bewegt.
Die größte Sorge der Geologen ist der sogenannte Bradyseismus, eine langsame Bodenhebung, die auf steigenden Magmadruck hindeutet. Seit 2020 ist die Bodenhebung in Pozzuoli um 10 Zentimeter pro Jahr gestiegen – der höchste Wert seit Jahrzehnten. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, könnte sich Magma in einer kritischen Zone sammeln und zu einem plötzlichen Ausbruch führen.
Massenevakuierung: Wie realistisch ist sie?
Die italienische Regierung hat bereits vor einigen Jahren einen Evakuierungsplan entwickelt, der für den Ernstfall vorsieht, bis zu 500.000 Menschen aus den betroffenen Gebieten zu bringen. Der Plan umfasst:
- Evakuierung per Zug, Schiff und Bus
- Einteilung der Bevölkerung in verschiedene Gefahrenzonen
- Bereitstellung von Notunterkünften in anderen Regionen Italiens
Doch Kritiker warnen: Ein plötzlicher Ausbruch könnte innerhalb von Stunden erfolgen – Zeit, die für eine geordnete Evakuierung möglicherweise nicht ausreicht. „Es ist schwer vorstellbar, wie eine halbe Million Menschen in kurzer Zeit sicher aus Neapel gebracht werden könnte“, sagt der Vulkanologe Giuseppe De Natale vom Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV).
Welche Folgen hätte ein Ausbruch für Italien und Europa?
Sollte der Supervulkan tatsächlich ausbrechen, wären die Konsequenzen gravierend:
- Neapel in Gefahr – Eine Eruption könnte pyroklastische Ströme, Asche und Lava freisetzen, die große Teile der Stadt zerstören.
- Massenmigration – Hunderttausende Menschen müssten umgesiedelt werden, was eine humanitäre Krise auslösen könnte.
- Flugverkehr lahmgelegt – Eine Aschewolke könnte ganz Südeuropa treffen und den Luftverkehr massiv beeinträchtigen, ähnlich dem Ausbruch des Eyjafjallajökull in Island 2010.
- Wirtschaftliche Schäden – Der Hafen von Neapel, wichtige Industriegebiete und der Tourismus wären schwer betroffen.
- Klimatische Folgen – Ein Supervulkan-Ausbruch könnte die Temperaturen weltweit senken und extreme Wetterbedingungen auslösen.
Steigt das Risiko eines Ausbruchs?
Während Wissenschaftler keine unmittelbare Eruption vorhersagen, sind sich Experten einig, dass die seismische Aktivität besorgniserregend ist. Die Phlegräischen Felder haben in den letzten Jahrzehnten immer wieder Erdbeben verzeichnet, doch die Intensität und Häufigkeit der aktuellen Erschütterungen deuten darauf hin, dass sich unter der Oberfläche etwas verändert.
Die Menschen in Neapel leben seit Jahrhunderten mit der Gefahr eines Vulkanausbruchs. Doch mit der steigenden Anzahl an Beben wächst auch die Unsicherheit. Ob es tatsächlich zur Massenevakuierung kommt oder ob sich die Lage beruhigt, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch sicher: Die Behörden müssen vorbereitet sein – bevor es zu spät ist.
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